Unser Heer 2030

Die Gefahren von morgen und das Heer von heute

Autor: Generalmajor Mag. Bruno Hofbauer, Leiter der Gruppe Grundsatzplanung im Generalstab des Verteidigungsministeriums. Er stellt diesen in den Oberösterreichischen Nachrichten erschienenen Beitrag zur internen und externen Kommunikation der OGV zur Verfügung. Er war „Chefredakteur“ des durch den Verteidigungsminister Ende September vorgestellten Berichtes „Unser Heer 2030“, welcher die aktuelle Situation und die erforderlichen Ableitungen für die Zukunft sehr deutlich darstellt. Bericht zum Herunterladen siehe Link: http://www.bundesheer.at/archiv/a2019/unserheer2030/index.shtml

„Erinnern Sie sich noch an den Terror in Paris im Herbst 2015? Das Massaker im Bataclan-Theater, die Explosionen vor dem Fußballstadion und die Schießereien in der Stadt? Dann wissen Sie, mit welchen Fragen sich das Bundesheer beschäftigt.

Die lauten etwa so: Was ist zu tun, wenn Terroristen militärisch organisiert auftreten und über Panzerfäuste und Nachtsichtgeräte verfügen? Dann reagiert zunächst die Polizei, das ist klar. Kommen aber schwere Waffen ins Spiel, vielleicht an mehreren Orten zugleich, erhält die Situation eine neue Qualität: Der Panzerfaust ist der Streifenwagen schutzlos ausgeliefert, da braucht es einen Panzer des Heeres.

Auf militärische Bedrohungen kann nur das Militär antworten. Deshalb bereiten wir uns auf solche Fälle vor und müssen dafür ausgerüstet sein. Terrorangriffe sind dabei nur eine von vielen Gefahren, die wir sehen, die Bandbreite ist groß: Cyberangriffe können zu Blackouts führen und die Strom- und Wasserversorgung lahmlegen.

Desinformationskampagnen können Menschen gegeneinander aufhetzen. Eine Drohne aus dem Elektromarkt genügt, um Giftstoffe in ein Fußballstadion zu fliegen. Der Klimawandel wird für Unwetter sorgen und noch mehr Menschen nach Europa aufbrechen lassen.

Unsere Antworten sind vielfältig: Cyberexperten des Heeres verhindern Angriffe auf unsere Netzwerke. Soldaten können Kraftwerke, Straßen und die Eisenbahn bewachen – und mit der Polizei die öffentliche Sicherheit wahren.

Unsere Fliegerabwehr muss in der Lage sein, Drohnen zu bekämpfen. Spezialisten für biologische und chemische Kampfstoffe sind jederzeit verfügbar. Der Terrorist mit der Panzerfaust muss an unserem Kampfpanzer scheitern. Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge bringen Truppen schnell und sicher dorthin, wo sie benötigt werden.
Das alles ist machbar, aber es erfordert ausreichend Personal und gute Ausrüstung – und deswegen kostet es Geld.

Was Verteidigungsminister Thomas Starlinger fordert, ist keine Luxusarmee. Er fordert nur, den Anteil am Budget, den wir für die Verteidigung ausgeben, auf ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzuheben. Die NATO-Mitglieder streben zwei Prozent an, der EU-Durchschnitt liegt bei 1,4, in Österreich sind es derzeit etwa 0,6 Prozent. Ich halte eine Erhöhung auf ein Prozent für angemessen, um auf all diese Bedrohungen reagieren zu können. Wenn sonst nichts mehr funktioniert, bleibt das Bundesheer als letzte Instanz, um die Österreicherinnen und Österreicher zu schützen. 55.000 Soldaten stehen dafür bereit. Ich wünsche mir, dass sie die entsprechende Ausrüstung bekommen. Denn sie arbeiten hart daran, dass unser Land sicher bleibt. Mit angemessenen Ressourcen wird uns das auch gelingen.“